Antriebskraft des Guten: Die Forscher

Jeder weiß, dass die Umwelt im Allgemeinen und die Ozeane im Besonderen in Gefahr sind. Klimawandel, Korallenbleiche, Überfischung, Plastikflut – die Liste ist lang und wird jeden Tag um eine neue Studie länger, wodurch sie noch beängstigender wird. Auch wenn es so erscheint, als würde jeder auf den Zug der unheilvollen Nachrichten aufspringen richte ich einen positiven, konstruktiven Blick auf diese Meldungen: Die Zukunft, die wir nicht wollen, muss dargestellt werden, um sie zu verhindern.

Neben dem Studium aktueller Probleme zeigen uns Meeres- und Umweltforscher Probleme auf, bevor sie entstehen. So haben im August die Meereswissenschaftler Wortman, Paytan und Yao (University of Toronto und University of California, Santa Cruz) eine Studie herausgebracht, die darauf hinweist, dass erhöhtes atmosphärisches CO2 nicht nur die Temperaturen steigen lässt, sondern auch den Sauerstoff in den Ozeanen reduziert. Dadurch werden tiefer gelegene Meeresschichten giftig, was der Fischerei, über die marinen Nahrungsketten, erheblich schaden würde. Ja, das sind schlechte Nachrichten. Aber dank der Forscher kennen wir sie jetzt, solange wir noch Zeit haben, etwas dagegen zu unternehmen.

Dies bringt uns zum zweiten Grund, warum Forscher eine wichtige Antriebskraft des Guten sind. Es geht darum, Probleme vorherzusagen, aber auch darum, Lösungen zu finden und sie mitzuteilen. In einem vorhergehenden Blogbeitrag habe ich Dr. Vaughans bahnbrechende Leistungen bei der Renaturierung von Korallen beschrieben– das ist gemeinsame Forschung, die sich direkt mit einem massiven globalen Problem befasst, welches allen Tauchern am Herzen liegt. In Cubas Guanahacabibes National Marine Park arbeitet die Biologin Dr. Dorka Cobián Rojas zusammen mit Wissenschaftlern aus der ganzen Welt und wissenschaftlich interessierten Tauchern daran, Gründe für den Korallenschwund und die Invasion von Feuerfischen zu finden und Lösungen zu schaffen. Im selben Gebiet erforscht Dr. Osmani Borrego die Verschmutzung durch Plastik. Dies sind wichtige wissenschaftliche Forschungen, denn die Riffe von Guanahacabibes sind intakt. So stellen sie eine Oase biologischer Ressourcen dar, die es uns ermöglicht, die Probleme und Lösungen zu finden, die wir brauchen, um die Riffe und die Fischerei auf der Welt zu schützen, zu bewahren und wiederherzustellen.

Dabei dürfen wir die Beteiligung der „Bürgerwissenschaftler“ nicht übersehen, denn sie ist unverzichtbar. Professionelle Forscher wie Rojás und Borrego haben weder die Zeit noch die Ressourcen all die Daten zu sammeln und Lösungsmöglichkeiten auszuprobieren. Das Lösen großer, weltumspannender Probleme erfordert große, weltumspannende Beteiligung – in den Meeren. Damit sind du und ich angesprochen. Oder wie Project AWARE es ausdrückt: Verschwende deine Tauchgänge nicht. Jeder Tauchgang, den wir machen, kann zur Forschung beitragen. Dive Against Debris zum Beispiel geht über das Müllsammeln unter Wasser oder Schuldzuweisungen hinaus – es beteiligt sich daran herauszufinden, wie wir die Verschmutzung aufhalten können!

Einen Beitrag leistet auch Reef Life Survey, von Dr. Graham Edgar gegründet, bei dem freiwillige Taucher dazu ausgebildet werden, marine Organismen zu überwachen. Bereits über 200 RLS-Taucher haben in 44 Ländern mehr als 2.000 Standorte überwacht und damit eine der größten bestehenden globalen Bio-Datenbanken geschaffen. Anhand dieser Daten erwarten Forscher eine Verschiebung in der Ausbreitung von Fischen und Wirbellosen mit zunehmender Erwärmung der Ozeane – eine Schlussfolgerung, die nur dank der tauchenden Bürgerwissenschaftler möglich war. In Indien berichtet.mongbay.com, dass Forscher Fischer und andere Freiwillige zu Tauchern ausbilden (wenn sie nicht sowieso schon tauchen), um sich als Bürgerwissenschaftler an verschiedenen Initiativen zu beteiligen, was noch einen weiteren Vorteil mit sich bringt: öffentliche Unterstützung. Die Forschung findet Unterstützung in der Gesellschaft, wenn ihre Mitglieder involviert sind“ zitiert der Bericht A. Biju Kuma, den Leiter der Abteilung für Gewässerbiologie der Universität von Kerala.

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