Ohrenprobleme

Von DAN Mitarbeitern

Ohrverletzungen stellen die überwältigende Mehrheit medizinischer Beschwerden von Tauchern dar. Das erscheint logisch, denn während eines Tauchgangs setzen wir unsere Ohren einer Menge Stress aus. Das gilt besonders für Tauchprofis, die den ganzen Tag lang ab- und auftauchen und sich viel im Wasser befinden.

Auf dem ersten Meter (drei Fuß) eines Abstiegs erfahren die Ohren einen Druckanstieg um 10 Prozent im Vergleich zur Wasseroberfläche. Auf zwei Metern (sechs Fuß) beträgt die Prozentzahl bereits das doppelte und auf vier Metern (zehn Fuß) ist der Druck groß genug, um das Trommelfell zu zerreißen, Blutgefäße platzen zu lassen und Flüssigkeit in unser Innenohr zu ziehen. Dennoch machen viele Taucher den Druckausgleich zu spät oder vergessen ihn bei dem Versuch, beim Abtauchen mit anderen Tauchern mitzuhalten.

Ohrverletzungen können schnell und ohne Vorwarnung auftreten. Wenn du die Wichtigkeit des Druckausgleichs früh und häufig während der Ausbildung deutlich machst, kannst du deinen Schülern helfen, Unfälle zu vermeiden. Schauen wir uns die häufigsten Ohrverletzungen einmal an, damit du deinen Schülern guten Rat geben kannst.

Perforiertes Trommelfell

Ein Riss der Trommelfellmembran, des Trommelfells, ist meinst die Folge eines erfolglosen Druckausgleichs im Mittelohr oder eines zu kräftig durchgeführten Valsalva-Manövers. Die Verletzung ist oft schmerzhaft, auch wenn der Riss das Druckgefühl im Ohr mindern kann. Den Betroffenen kann in Folge schwindelig werden. Die meisten Perforationen heilen innerhalb weniger Wochen ohne Weiteres ab, in einigen Fällen ist jedoch ein operativer Eingriff nötig. Das Risiko des Trommelfellrisses erhöht sich durch verstopfte Atemwege, ungenügendes Training und zu schnelle Abstiegsgeschwindigkeit.

Barotrauma des Innenohrs

Wie auch der Trommelfellriss kann ein Barotrauma des Innenohrs durch einen erfolglosen Druckausgleich oder ein zu aggressives Valsalva-Manöver entstehen. Ein erheblicher Druckunterschied zwischen Außenohr und Mittelohr kann das runde Ohrfenster nach außen wölben, was zu Verletzungen am Innenohr führen kann, auch wenn das Ohrfenster nicht reißt. Reißt es jedoch, kann der Flüssigkeitsverlust im Innenohr das Hörvermögen und die Balance beeinträchtigen und einen operativen Eingriff nötig machen. Taucher mit einem Barotrauma des Innenohrs leiden häufig unter starkem Schwindelgefühl, Verlust des Hörvermögens, Tinnitus, einem Verstopfungsgefühl im Ohr und unfreiwilligen Augenbewegungen, sogenanntem Nystagmus.

Barotrauma des Mittelohrs

Ein Barotrauma des Mittelohrs entsteht, wenn der Druck in der Trommelfellhöhle (dem luftgefüllten Raum im Mittelohr) deutlich niedriger ist als der Druck außerhalb des Ohres. Dies führt zu einem relativen Vakuum, das das Trommelfell nach innen wölbt, das Gewebe des Ohres anschwellen lässt und dazu führt, dass Flüssigkeit und Blut aus gerissenen Gefäßen in die Trommelfellhöhle eindringen. Grund dafür kann ein erfolgloser Druckausgleich oder eine Verstopfung der Ohrtrompete (Eustachische Röhre) beim Abstieg sein. Taucher mit einem Barotrauma des Mittelohrs klagen meist über anfängliche Beschwerden, die sich zu starken Schmerzen und dem Gefühl verstopfter Ohren entwickeln.

Gesichtslähmung

Fazialisparese ist die reversible Lähmung des Gesichtsnervs durch erhöhten Druck im Mittelohr. Bei manchen Menschen behindert der Druck die Durchblutung eines Gesichtsnervs in Ohrennähe. Dies kann während eines Fluges oder Tauchgangs passieren. Zu den Symptomen gehören in der Regel Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schwäche und Lähmungserscheinungen im Gesicht. Manchmal kann eine Erschlaffung der Gesichtsmuskeln auftreten und Sorgen bereiten, die Gesichtslähmung aufgrund des erhöhten Drucks baut sich jedoch meist ohne Weiteres wieder ab. Taucher, die Symptome einer Gesichtslähmung zeigen sollten sich dennoch medizinisch untersuchen lassen, um andere, schwerwiegendere Gründe auszuschließen.

 

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