In die Zukunft investieren und etwas bewirken

Wie die meisten PADI® Mitglieder weltweit hast wahrscheinlich auch du schon mitbekommen, dass die Hurrikan-Saison 2017 in der Karibik großen Schaden angerichtet hat. Und im Jahr 2018 sind dann auch noch andere Regionen von Naturkatastrophen heimgesucht worden: es gab Erdbeben in Indonesien, Papua-Neuguinea und Taiwan, der Super-Taifun Mangkhut hat Guam, die Marshall Inseln, die Philippinen und das südliche China getroffen und es gab 11 weitere Taifune und eine ganze Reihe anderer Katastrophen. Jedes Jahr verwüsten Naturkatastrophen andere Teile der Welt, darunter auch einige der beliebtesten Tauchziele. Jede Katastrophe kostet Hunderte von Menschenleben und richtet Schäden in Milliardenhöhe an.

Wenn du in einer Region lebt, die nicht betroffen ist, dann kannst du denen helfen, die betroffen sind – vor allem anderen PADI Mitgliedern. Und zwar so: Fahre hin und gehe tauchen. Oder noch besser: organisiere eine Gruppentauchreise und nimm alle mit, die mitkommen können.

Damit will ich nicht die Schrecken beschönigen, die Stürme und andere Naturkatastrophen verursachen. Ich will vielmehr darauf hinweisen, dass der wirtschaftliche Schaden, der durch fehlende Touristen entsteht, langanhaltende Auswirkungen auf die Tauchbasenbetreiber in diesen Regionen haben kann. Nehmen wir uns doch einmal die Karibik als Beispiel vor. Dem World Travel & Tourism Council (WTTC) zufolge macht der Tourismus 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Wirtschaft in der Region aus, das entspricht über 56 Milliarden US-Dollar und 2,4 Millionen Arbeitsplätzen. Aber das ist nur der regionale Durchschnitt – die Volkswirtschaften vieler Inseln sind hier zu mehr als 25 Prozent vom Tourismus abhängig, manche sogar zu mehr als 90 Prozent! Die im Anschluss an die Hurrikane von 2017 ausbleibenden Touristen kosten die Karibik Milliarden von US-Dollar. Und dabei sind die Kosten für die Schäden noch nicht mit eingerechnet.

Nach einer Katastrophe erholt sich eine Region in zwei Phasen: erst durch Soforthilfe und dann durch Wiederaufbau. Bei der Soforthilfe wird den Menschen in den betroffenen Gebieten sofort durch die Bereitstellung von Nahrung, Unterkünften, frischem Wasser, medizinischer Versorgung, etc. geholfen. Der Wiederaufbau der Geschäfte, Infrastruktur, Gebäude und der Wirtschaft dagegen ist ein viel längerer Prozess. Die Wirtschaft erholt sich dabei tatsächlich meist als letzte. Und hier kommen Tauchreisen ins Spiel. Je früher die Touristen wiederkommen, desto schneller kann sich dieser Teil der lokalen Wirtschaft erholen. Dadurch kann dann auch der Wiederaufbau von Gebäuden etc. finanziert werden. In vielen Regionen macht der Tauchtourismus einen wesentlichen Teil des Tourismus aus, an einigen Orten ist er alles. Je mehr das Tauchen zur Tourismuswirtschaft beiträgt, desto größer ist der Beitrag, denn das Tauchen beim Wiederaufbau spielt.

Man kann also sofort nach Naturkatastrophen helfen, indem man an Hilfsorganisationen spendet, und sie, wenn es geht, als Freiwilliger bei der Soforthilfe unterstützt. Wenn sich die Situation danach stabilisiert, kann man dabei helfen, den Tauchteil des Tourismus wiederaufzubauen. Wichtig ist, dass man nicht fortbleibt, weil „alle anderen“ fortbleiben. Man findet einfach heraus, was offen und in Betrieb ist und dann fährt man sobald wie möglich wieder hin. Und erzählt allen davon.

Tourismus und Tauchtourismus kommen oft schneller wieder auf die Beine als man denkt. Wenn wir hier die Karibik wieder als Beispiel nehmen: obwohl einige Regionen und Betreiber stark betroffen waren und noch sind, sind die meisten Top-Tauchziele offen und in Betrieb. Viele Tauchunternehmer, die hart getroffen wurden, haben sich schon wieder aufgerappelt. Andere hatten kaum oder keine Schäden und haben ihren Betrieb nie wirklich eingestellt, außer natürlich während des Sturms. Trotz dieser Tatsachen sagt der WTTC jedoch voraus, dass es bis 2022 dauern wird, bis die Besucher hier wieder so viel ausgeben werden wie vor 2017.

Ich würde mir zwar wünschen, dass PADI und der Tauchsport genug Einfluss hätten, um Vorhersagen wie diese in allen von Naturkatastrophen betroffenen Regionen Lügen zu strafen. Leider ist dem aber nicht so. Mit über 130.000 professionellen Mitgliedern und Millionen von Tauchern weltweit können wir aber mit Sicherheit etwas bewirken und beim Wiederaufbau helfen. Einfach dadurch, dass wir an diese Orte fahren und dort das tun, was wir so lieben.

Viel Glück, viel Erfolg beim Unterrichten und viel Spaß beim Tauchen wünscht

Drew Richardson Herausgeber, PADI Präsident und CEO

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